Zwischen Kult und Kino

Willkommen zu kulturellen Entdeckungen und Auseinandersetzungen zwischen Wirklichkeit und Visionen. Wir laden ein zu Reisen, Reportagen, Reprisen und Reaktionen. Ich freue mich, wenn Ihr teilnehmt und teilhabt. Anregungen, Kommentare und Ergänzungen sind willkommen.

Bilder – Bildwelten – Weltbilder

FILMKRITIK Bilder bewegen, bilden ab, informieren, inspirieren, verführen. Sie dokumentieren oder verfälschen, widerspiegeln oder widersprechen. Wir sind am Ball beziehungsweise an der Kamera, im Film. Wussten Sie, dass Lars Eidinger, der Top-Schauspieler Deutschlands, nun zum 200. Mal als «Richard III.» in der Schaubühne Berlin wütet, als Bertolt Brecht sein «Mackie Messer» verfilmen will und zusammen mit Bjarne Mädel auf dem Moped durch Deutschland tuckert («25km/h»)? Barbara Auer steht nicht nur in der «Nachtschicht» ihre Frau, sondern auch am Scheideweg im Beziehungsdrama «Was uns nicht umbringt». Weitere packende Ein- und Aussichten etwa zum fatalen Missbrauch der Sozialen Medien in «Liquid Truth» (Bild); zu aufbegehrenden Rockmusikern in Leningrad Anfang der Achtzigerjahre in «Leto»; zum umweltkriegerischen «Woman at War» aus Island, zum unbekannten Countrybarden «Blaze» aus Texas, zur unsterblichen «Bohemian Rhapsody» mit Queen oder zum Klon-Abenteuer «Genesis 2.0» vom Schweizer Christian Frei. Spannend. Schauen Sie rein!

FILMHINTERGRUND Nach dem Luther-Jahr 2017 steht 2019 ein Zwingli-Jubiläum an. Am 1. Januar 1519 trat Huldrych Zwingli das Amt des Leutpriesters am Grossmünsterstift in Zürich an. Der Zürcher Stefan Haupt drehte einen Kinofilm über den Protestanten, Revolutionär und Reformator. Zwinglis zwölf Zürcher Jahre stehen im Fokus des Spielfilms (Zur Filmkritik) Wir sprachen mit dem Regisseur Haupt und Anatole Taubman (Bild), der Zwinglis Wegbegleiter und Mitstreiter Leo Jud spielte. Zu den Interviews.


EINBLICKE Alljährlich laden die Solothurner Filmtage zum Entdecken und Wiedersehen ein. 165 Kurz- und Langfilme, neue, aktuelle und alte, werden aufgeführt – vom 24. bis 31. Januar 2019. Ein Trend lässt sich herauslesen: Viele Filme fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Befindlichkeiten und Beziehungen. Eröffnet werden die 54. Filmtage mit Aaron Nicks Dokumentarfilm «Tscharniblues II» (Bild). Weiterlesen…

FILMHINTERGRUND Ihre Figuren sind meist stille Menschen, die ihr Leben ertragen, sich ereifern, sich entscheiden müssen. Die in Konstanz geborene Barbara Auer ist eine markante Schauspielerin im Fernsehen, in der ZDF-Krimireihe «Nachtschicht» (Bild) beispielsweise oder in Kinofilmen wie «Vakuum» oder «Transit». Barbara Auer, in Konstanz geboren, ist nun zu sehen im Beziehungsdrama «Was uns nicht umbringt». Ein Gespräch.

FILMHINTERGRUND Sabine Boss realisiert ein neues Filmprojekt. «Manager» heisst der Spielfilm, ein Schweizer Businessdrama um zwei Alphatiere, das im nächsten Jahr in unsere Kinos kommen soll. Inzwischen sind die Dreharbeiten in der Schweiz abgeschlossen. Die Hauptrollen spielen Stefan Kurt und Ulrich Tukur. Weiterlesen…

FILMHINTERGRUND Seit zehn Jahren spielt er den Shakespeare-Helden «Hamlet». Zum 200. Mal wütet er als «Richard III.» auf derselben Bühne. Lars Eidinger ist Deutschlands Topschauspieler. Nun verkörpert der Berliner den Dramatiker Bertolt Brecht im «Mackie Messer»-Film und tourt auf einem Mofa durch Deutschland: Die Roadkomödie «25 km/h» ist ein Kino-Schelmenstück. Ein Porträt.

FILMHINTERGRUND Sönke Wortmanns jüngstem Kinowerk «Der Vorname» liegt das französische Theaterstück von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte «Le Prénom» zugrunde. Nun hat der Nordrhein-Westfale Wortmann (59) mit «Der Vorname» eine treffende ironische Gesellschaftskomödie in der Art eines Kammerspiels inszeniert, in der es deftig und geistreich zur Sache geht. Zum Interview mit Sönke Wortmann…

FILMHINTERGRUND Wer zählt die Rollen, die Serien und Filme, in denen der Bayer mitgewirkt hat? Elmar Wepper (74) steht seit über 60 Jahren vor der Kamera, überwiegend fürs Fernsehen («Zwei Münchner in Hamburg»). Vor zehn Jahren schaffte er als Charakterdarsteller den Kinodurchbruch in Doris Dörries «Kirschblüten – Hanami». Nun spielt der «eingebürgerte Münchner» den grantigen Gärtner Schorsch, dem das Wasser bis zum Halse steht, der seinen alten Doppeldecker besteigt und abhebt. Die Roadromanze heisst «Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon». Lesen Sie mehr…

 
FILMHINTERGRUND Nach dem Luther-Jahr 2017 steht 2019 ein Zwingli-Jubiläum an. Am 1. Januar 1519 trat Huldrych Zwingli das Amt des Leutpriesters am Grossmünsterstift in Zürich an. Der Zürcher Stefan Haupt (Bild) dreht einen Kinofilm über den Protestanten, Revolutionär und Reformator. Zwinglis zwölf Zürcher Jahre stehen im Fokus des Spielfilms. Ihm, seinem Team und der Filmproduktion C-Films ist es gelungen, die Verantwortlichen von Kirche und Stadt Zürich zu überzeugen, das Grossmünster für Dreharbeiten einige Wochen zu sperren, und weiter ging's zu Dreharbeiten nach Stein am Rhein.
REPORTAGE Ihre Mauern erzählen Geschichten und Geschichte. Eine Reise nach Rheinland-Pfalz führt unweigerlich zu den romanischen Domen von Speyer, Worms und Mainz. Hier stand Luther (Bild) und konnte nicht anders, protestierten Bürger (Protestanten), liegen Könige und Kaiser, aber auch Helmut Kohl begraben. Eine Entdeckungsreise heute. Eine Entdeckungsreise auf historischen Spuren, aber auch zum ältesten jüdischen Friedhof in Deutschland, zu Marc Chagall und einer Wein-Fundstätte.
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Oktober 2018

EINBLICKE Das Motto «Ein Fest fürs Kino. Ein Fest für alle» hat sich bewährt. Die Leiter des Zurich Film Festival (ZFF), Nadja Schildknecht (Interview) und Karl Spoerri, gehen gestärkt ins 14. Jahr. Über 160 Produktionen werden während elf Tagen über die Leinwände flimmern (27. September bis 7. Oktober). Stars zieren und veredeln das Festival – von Judi Dench (Golden Icon) über Donald Sutherland (Lifetime Achievement Award), Johnny Depp bis zu Florian Henckel von Donnersmarck, Julian Schnabel und Wim Wenders. Die Direktorin Nadja Schildknecht erklärt ihr Erfolgsprinzip. Mehr…

FILMHINTERGRUND Wer bin ich, wer will ich sein? Mit sich selbst eins sein, ist ein Wunsch, ein Ziel, ein Lebensziel, dem viele nachstreben, sich danach sehnen oder sich verlieren. Filme greifen solche Themen immer wieder auf. Drei neuere Beispiele: «Madame Hyde», «Au revoir la-haut» (Bild) und «Lola Pater». Mehr…



August 2018

FILMKRITIK Bilder bewegen, bilden ab, informieren, inspirieren, verführen. Sie dokumentieren oder verfälschen, widerspiegeln oder widersprechen. Davon legen einige neue Kinofilme Zeugnis ab. Wim Wenders beispielsweise hat den Papst intensiv interviewt und dessen Worte illustriert, dokumentiert und mit eigens gedrehten Filmaufnahmen über Franz von Assisi erweitert in «Papst Franziskus»; der Pariser Fotokünstler JR und die belgische Filmerin Agnès Varda haben sich zusammengetan, haben Menschen abgelichtet und auf riesigen Postern dokumentiert in «Visage Villages» (Bild); Elvis lebt im Roadmovie «The King» und wird zur Fallstudie der amerikanischen Gesellschaft; ein amerikanischer Rodeoreiter, schwer verunfallt und ausser Gefecht gesetzt, spielt sich im Spielfilm «The Rider» selber; Fotografie ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Profis wissen davon ein Lied zu singen in «Shadow Thieves», ein Dokumentarfilm von Felix von Muralt. Filme nahe an der Wirklichkeit mit Bildern von gestern und heute. Spannend.

EINBLICKE Treffen der Internationalen Animationswelt in Baden: Zum 16. Mal präsentiert sich in den dortigen Kinos das Festival Fantoche – vom 4. bis 9. September 2018. Insgesamt werden über 200 Filme aufgeführt, 185 Veranstaltungen an 14 Locations angeboten. (Bild: «Eden», Julie Caty, FR 2017 – HORS CONCOURS 1 – FANTOCHE 2018) Lesen Sie weiter…

EINBLICKE Der künstlerische Leiter Carlo Chatrian verlässt Locarno Richtung Berlin. Er hat in seinen sechs Amtsjahren das Festival gefestigt und zuletzt auch ein grosses Publikum angelockt, zumindest auf der Piazza Grande, dem schönsten Freilichtkino Europas, wenn nicht gar der Welt. Bei der 71. Ausgabe (1. bis 11. August 2018) lagen die Publikumszahlen leicht unter denen vom Jubiläumsjahr 2017, nun wurden rund 155 000 Zuschauer und Zuschauerinnen offiziell gezählt, davon allein 61 000 auf der Piazza Grande. Es gab Enttäuschungen und Entdeckungen wie den Dokumentarfilm «Walking on Water» über Christos (Bild) Projekt «The Floating Piers». Locarno71 sei Publikumserfolg und reiche Ausgabe gewesen, meinte der scheidende Chatrian. Frauen waren markant vertreten, sei es als Filmerinnen oder als Filmthema wie in «Les Dames» oder «#Female Pleasure». Mehr…


Locarno Festival: Neue Leiterin aus Paris

Wie angekündigt, hat nun der Verwaltungsrat des Locarno Festivals die Nachfolge von Carlo Chatrian bestimmt, der an die Berlinale berufen wurde. Die Pariserin Lili Hinstin (41, Bild) wird offiziell die künstlerische Leitung des Filmfestivals am 1. Dezember 2018 übernehmen, aber bereits sofort an den Vorbereitungen der Ausgabe 72 teilhaben.
Lili Hinstin leitet seit 2013 das Entrevues Belfort – Festival International du Film, war 2005 bis 2009 an der Französischen Akademie in Rom tätig und von 2011 bis 2013 stellvertretende Leiterin des Festivals Cinéma du Réel in Paris.
Festivalpräsident Marco Solari unterstreicht: «Lili Hinstins Profil entspricht genau unseren Ansprüchen an die künstlerische Leitung des Locarno Festivals» und meint weiter «Unser nächstes Ziel ist die 75. Festivalausgabe. Wir wollen im Jahr 2022 ein Festival feiern, welches, ohne seine Geschichte zu verleugnen, fähig ist, die gesellschaftlichen Veränderungen vorwegzunehmen.»


Juli 2018

EINBLICKE Die Filmwelt blickt an den Lago Maggiore. Nach dem Jubeljahr 2017 beschäftigt eine Frage in Locarno: Wer wird Nachfolger des künstlerischen Leiters Carlo Chatrian (Bild), der 2019 dem Ruf nach Berlin folgen wird? Der Turiner Carlo Chatrian, der im Aostatal lebt, war sechs Jahre lang künstlerischer Leiter am Filmfestival Locarno. Er wird ab 2019 diese Funktion an der Berlinale übernehmen.
Das Programm ist breit gefächert mit leichter Kost auf der Piazza Grande und schweren Brocken im Wettbewerb. Entdeckungen und Wiedersehen garantieren die Sektionen Fuori Concorso, Cineasti del presente, Signs of Life, Open Doors oder Pardi di domani. Die Retrospektive ist Leo McCarey, Vater von Laurel & Hardy (Dick und Doof), gewidmet.


Mai 2018

Zeit der Frauen

FILMKRITIK Im Frühjahr spült stets eine Riesenwelle neuer Filme ins Kino – etwa überflüssige Remakes wie «Death Wish», Sequels wie «Tomb Raider», knallige Comic-Action wie «Black Panther» oder hirnlose US-Party-Streifen. Unser Interesse gilt den Aussenseitern, Studiofilmen, gesellschaftsrelevanten Auseinandersetzungen oder beeindruckenden Porträts. Auffallend viele starke Frauenfilme bereichern das Kinoprogramm: «Clara Haskill» beispielsweise über eine fast vergessene Pianistin, «Barbara» (Bild) über die Chanson-Sängerin und Komponistin Monique Andrée Serf, «Maria Magdalena» über die treueste Jüngerin Jesu, «Film-Stars Don't Die in Liverpool» über die Hollywood-Diva Gloria Grahame oder «3 Tage in Quiberon» über Romy Schneider, der Film, der just siebenmal mit dem Deutschen Filmpreis Lola ausgezeichnet wurde.

FILMHINTERGRUND Bei den Filmfestspielen in Berlin wurde er neben der Schweizerin Luna Wedler und anderen europäischen Schauspielern als «Shooting Star» gefeiert, der älteste unter den jungen: Franz Rogowski (32) aus Freiburg i.Br. Der Schauspieler mit leichtem Lispeln wurde just mit dem Deutschen Filmpreis Lola belohnt – als Gabelstapler «In den Gängen». Ein Interview.
FILMKRITIK Anna Seghers Roman «Transit» handelt von Flüchtlingen um 1940. Regisseur Christian Petzold hat die Geschichte in die Gegenwart verlagert. Er spielt mit den Zeiten, doch die Lage bleibt gleich. Im Grunde geht es unabhängig von historischen Umständen um Entwurzelung und Flucht, Liebe und Verlust. Eine tragende Rolle spielt Franz Rogowski als Flüchtling Georg, der sich im «Transit» verliert.
EINBLICKE Bei der 68. Verleihung des Deutschen Filmpreises im Palais am Funkturm Berlin überstrahlte ein Film alle anderen: «3 Tage in Quiberon», ein Schwarzweissfilm, ist ein speziell deutscher Fall und erhielt sieben «Lolas». Regisseurin Emily Atef liess Romy Schneider aufleben. Marie Bäumer (Bild) verkörperte den tragischen Star perfekt. Überraschend erhielt der Dokumentarfilm «Beuys» zwei Lolas.