Inshallah a Boy

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Allein gegen Männerdominanz: Witwe Nawal (Mouna Hawa) kämpft um ihre Tochter. (Trigon-Film)

 
 

Um Erbe und Existenz –
Eine Frau gegen Tradition und Männerdomäne

 
Das kommt in den besten Familien vor: Der Patron stirbt, und alles nimmt seinen gewohnten Erbschaftsgang. Nur ist das anders im patriarchalischen Königreich Jordanien, wenn es um Existenz und Erbe geht und eine Frau auf sich allein gestellt ist. Nawal (Mouna Hawa) lebt in Amman. Sie hat eine Tochter, Noura (Seleena Rababah), und wünscht sich ein zweites Kind, möglichst einen Sohn – auch aus wirtschaftlichen, existenziellen Gründen, wie wir später erfahren. Wenn Allah Erbarmen hat: «Inshallah» (so Gott will).

Ein tragisches Erwachen: Nawals Ehemann Adnan liegt morgens tot im Bett. Sie ist von heute auf morgen auf sich allein gestellt, findet jedoch in der nahen und fernen Verwandtschaft keine Unterstützung, obwohl alle beteuern, dass sie auf ihre Hilfe zählen kann. Besonders ihr Schwager Rifqi (Haitham Omari) erweist sich als Immobilienhai, er beansprucht Nawals Wohnung und letztlich auch ihre Tochter. Wenn kein männlicher Erbe da ist, so das Gesetz, fällt die Hälfte des Besitzes an die engste Verwandtschaft: «Inshallah»!
Nawal will sich dem männlichen Diktat nicht beugen, ist auch nicht bereit, den Pick-up abzugeben, obwohl sie keinen Führerschein hat. Der Schwager macht Schulden geltend. Auch stellt sich heraus, dass der verstorbene Gatte kein Saubermann und seit Monaten arbeitslos war. Er hatte wohl auch Kontakt zu Prostituierten. Nawal hatte bislang für den Unterhalt gesorgt, und nun …? Ihr Gang zu Behörden wird zum Spiessrutenlauf. Ihre einzige Hoffnung ist ein Nachkommen. Und so behauptet sie, schwanger zu sein. Doch dafür braucht es medizinische Beweise … «Inshallah!»
Lauren (Yumna Marwan) Tochter ihrer Arbeitgeberin, lebt ihre Lebenslust (verbotenerweise natürlich) aus und ist schwanger. Nawal soll ihr bei einer Abtreibung beistehen, dann will sie ihr ein Schwangerschaftsdokument besorgen. Der Fall fliegt auf, und Nawal ist ihren Job los.
Kann ein Mann ihr helfen? Ein Freund und Kollege bietet sich an, gibt ihr «Fahrstunden». Er mag sie, möchte mehr, doch sie will ihren Weg allein gehen und am Ende den Pick-up selber steuern.

Der jordanische Autor und Regisseur Amjad Al Rasheed prangert mit seinem Filmdrama herrschende patriarchalische Gesellschaften an – nicht nur in Jordanien, sondern auch in anderen arabischen Ländern. Seine Heldin (Mouna Hawa überzeugend bis zur kleinsten Geste) kämpft wie einst Don Quichotte gegen Windflügel, gegen (männliche) Traditionen, Unterdrückung und Ungleichheit, schlicht ums Überleben als unabhängige Frau.
Der Film zeigt, wie Frauen in solchen Gesellschaften alten «Gesetzen», Willkür und Gnade ausgesetzt sind und sich Repressionen beugen müssen. Ein eindrücklicher, schier dokumentarisches Sozialdrama, das einfühlend und packend ungerechte Rechtsprechung, verkrustete Gesellschaftsregeln und missachtete Gleichberechtigung anprangert. Starke Gesellschaftskritik und Botschaft, am Filmfestival in Cannes 2023 (Semaine de la Critique) und Fribourg 2024 (Kritikerpreis) ausgezeichnet.
 

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Jordanien 2023    
113 Minuten

Regie: Amjad Al Rasheed
Buch: Amjad Al Rasheed, Rula Nasser, Delphine Agut
Kamera: Kanamé Onoyama

Ensemble: Mouna Hawa, Haitham Omari, Yumna Marwan, Seleena Rababah


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