Der Passfälscher

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Als wäre alles normal für einen Juden: Cioma Schönhaus (Louis Hofmann) versteht sein Handwerk als Fälscher und schlägt sich im Nazi-Berlin durch. Er verliebt sich in die Jüdin Gerda (Luna Wedler). Das Glück währt nur kurz. (Filmcoopi)



Überlebensstrategie


Berlin Anno 1942. Die Nazihatz war unerbittlich. Nur wenige Juden konnten untertauchen und fliehen. Der junge Mann Cioma Schönhaus (Louis Hofmann) lebt in einer grosszügigen, grossbürgerlichen Wohnung zu Berlin. Allein. Seine jüdischen Eltern und Grossmutter wurden von den Nazischergen «einkassiert» und in eines der Vernichtungslager im Osten deportiert. Cioma wurde «verschont» und dienstverpflichtet für einen Rüstungsbetrieb. Die elterliche Wohnung wird eng, auch weil Cioma seinen untergetauchten Freund Det (Jonathan Berlin), auch er ein Jude, bei sich aufnimmt. Frau Peters (Nina Gummich - grandios mit harscher Härte und Herz), die energische Verwalterin, verfolgt stur ihre Regeln – auch eine Überlebensstrategie. Sie drangsaliert Schönhaus, veräussert gelegentlich das Inventar der Schönhaus-Familie. Dazu schnüffelt der Kriminalbeamte Dietrich (André Jung) herum, auch er ist nicht ganz sauber. Doch richtig bedrohlich scheint das für den lässigen Cioma nicht zu sein.

Cioma sieht wie ein idealer Deutscher aus dem Arierbuch aus und verhält sich ungezwungen. Er hat mal ein paar Semester auf einer Kunstschule zugebracht und scheint zeichnerisch sehr begabt. Davon erfährt ein gewisser Widerstandskämpfer namens Franz Kaufmann (Marc Limpach) im Untergrund. Der heuert ihn als Ausweisfälscher an und entlohnt ihn mit Essensmarken. Scheinbar unbehelligt lebt Ciona ein Leben, als ginge ihn die Judenhatz nichts an. Frech und forsch besucht er mit seinem Freund Det ein feines Tanzlokal – in Marineoffiziersuniform. So begegnet er Gerda (Luna Wedler, die Schweizerin), auch sie eine Jüdin, die gefährdet ist, und verliebt sich.

Samon «Cioma» Schönhaus war kein Luftikus, sondern ein Anpasser in der Not und Überlebenskünstler, der seine Gefühle extrem kontrollierte und sich seine innere Freiheit bewahrte. Maggie Perens Spielfilm basiert auf der Autobiografie des «Passfälschers» und konzentriert sich auf diesen tolldreisten Charakter. In Louis Hofmann fand sie den idealen Darsteller, der mit Nonchalance und anmassend unverfroren durchs Dickicht des Naziverfolgungswahn lavierte. Er lässt sich seine Lebenslust nicht nehmen. Dabei legt er eine ungewöhnliche Leichtigkeit an den Tag. Die Aussparungen im Film (keine Jagdszenen, eher beiläufige Festnahmen, keine Gewalt- oder Kriegsflashes) erhöhen die Spannung, die Angespanntheit (des Zuschauers). Sie steigern die Atmosphäre, die Ungeheuerlichkeit dieser Zeit, die Angst der Bedrohten.

Selten ist ein Spielfilm so unter die Haut gegangen wie Maggie Perens Drama um einen jungen Juden in Berlin im Jahr 1942. Ein bedrückender Film, der fassungslos und betroffen macht. Als Grundlage diente die Biographie des echten Samon «Cioma» Schönhaus, der 2015 verstarb.


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Deutschland 2022  
116 Minuten

Buch und Regie: Maggie Peren
Kamera: Christian Grigorov

Mitwirkende: Louis Hofmann, Jonathan Berlin, Nina Gummich, André Jung, Luna Wedler, Marc Limpach


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