The First Man

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Auf engstem Raum: Neil Armstrong (Ryan Gosling) steuerte mit seinen Gefährten 1969 den Mond an (Bild unten) und setzte 1969 als erster Mensch seinen Fuss auf den Mond. Armstrongs Ehefrau Janet (Claire Foy, Bild oben) fühlt sich allein gelassen. (Universal)



Der Mondmann


Er schrieb Geschichte, Weltraumgeschichte: der Mondmann. Er hiess Neil Armstrong und landete auf dem Mond als erster Mensch am 21. Juli 1969 in Begleitung des Kollegen Buzz Aldrin. Sein Spruch – spontan, ausgedacht oder von der NASA vorgegeben, wer weiss – ist Geschichte: «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.» 50 Jahre danach rekapitulierte und rekonstruierte Damien Chazelle das Spaceabenteuer neu fürs Kino. Erstaunlich, dass die Spannung trotz bekannter Geschichte aufrecht erhalten wird, erhellend, weil die Mond-Space-Hommage ganz auf den «Mann im Mond» fokussiert ist, überzeugend, weil Darsteller Ryan Gosling («LaLa Land») diese Figur nicht als Space-Hero anlegt, sondern als zurückhaltenden, verletzlichen Astronauten, der um das immense Risiko weiss, sich und seiner Familien nichts vormacht und vereinsamt.

«First Man – Aufbruch zum Mond» ist denn auch kein Heldengedicht, kein Glanz- und-Gloria-Kinomärchen, sondern ein nüchternes Drama ohne Firlefanz, aber mit Gefühl und menschlicher Nähe. Der Mensch Armstrong, die Astro-Pioniere und -Opfer stehen im Mittelpunkt sowie die aus heutiger Sicht haarsträubenden Techno-Basteleien und Wagnisse, die Trainings, Versuche und Rückschläge (Brand einer Testkapsel). Die Reise zum Mond – dazumal zu Zeiten des Kalten Kriegs als Wettlauf und Kampf der Supermächte USA und UdSSR um die Raumherrschaft dramatisiert – spitzte sich zu und fand in der Apollo-Mission 11 ihren Höhepunkt. In diesem polit-historischen Umfeld ist der Kinofilm zwar eingebettet, macht diese Begebenheiten aber nicht zum Thema. Er bleibt nahe am Menschen Armstrong, seinen Söhnen (die zweijährige Tochter starb an Gehirntumor) und seiner Frau Janet (Claire Foy), die sich allein gelassen fühlt – mit Hoffen und Bangen. Das hat freilich auch zur Folge, dass die Mitastronauten mehr oder weniger Statisten bleiben wie Mitmondfahrer Mike Collin (Lukas Haas), der in der Apollo-Kapsel «einhütete» und nicht den grossen Mondschritt mitmachen konnte, oder Kommandant Jim Lovell (Pablo Schreiber), der beim Apollo 13-Start umkam.

Als Zuschauer ist man hautnah dabei, wenn Armstrong und seine Kollegen sich in ihre Raumfahrtanzüge klemmen und in ihren Kapseln eingeschlossen werden, gnadenlos der Technik ausgeliefert. Fast schon beängstigend. Wie hält das ein Mensch aus? Mit geradezu stoischer Unnahbarkeit, belastbar und kontrolliert absolviert Astronaut Armstrong sein Programm – und bleibt uns (wie auch seiner Frau) merkwürdig fremd. Er erfüllt seine Funktion – sachlich, kühl, ohne Pathos. Dass muss man dem fesselnden Astro-Drama Chazelles zugutehalten: Nationalistische Töne und Zeichen wie das Flaggen der US-Fahne auf dem Mond werden nicht ausgewalzt zugunsten purer Sachlichkeit. Klar, die Mondfahrer werden am Ende bejubelt, aber in Massen. US-Präsident Trump, hört man, soll an diesem Understatement und nationalistischen Zurückhaltung wenig Gefallen gefunden haben. Gut so!


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USA 2018
142 Minuten

Regie: Damien Chazelle
Buch: Nicole Perlman, Josh Singer
Kamera: Linus Sandgren

Darsteller: Ryan Gosling, Claire Foy, Lukas Haas, Corey Stoll, Pablo Schreiber


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