Hostiles

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Indianerdämmerung: Captain Joseph «Joe» Blocker (Christian Bale) muss einem Indianer-Häuptling (Wes Studi) Geleit geben. (Ascot Elite)



Respekt und späte Achtung


Sie haben sich bis aufs Messer und Revolver bekämpft, die weissen Kolonialisten und die Ureinwohner, die Eroberer aus Europa und die Indianer. New Mexico 1892. Ausgerechnet der gnadenlose Indianerhasser, Captain Joseph «Joe» Blocker (Christian Bale), soll den alten Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi), seit sieben Jahren im Fort Winslow inhaftiert, und seine Familie ins Stammesgebiet der Cheyenne zurückbringen. Der alte Chief ist todkrank und wünscht, in seiner Heimat zu sterben. Haudegen Joe ist wenig erbaut über den Einsatz und bricht widerwillig mit einer Handvoll von US-Soldaten ins «Tal der Bären» in Montana auf. Auf ihrem Ritt nach Norden lesen sie Rosalie Quaid (Rosamund Pike), eine junge Witwe auf, die als einzige ihrer Familie dem Massaker der Komantschen entkommen ist. Verstört, verängstigt, natürlich den Indianern gegenüber misstrauisch und feindlich gesonnen, schliesst sie sich dem Kommando an. Bei einem erneuten Überfall der Komantschen erweisen sich der gefesselte Chief Yellow Hawk und sein Sohn Black Hawk (Adam Beach) als verlässliche Kämpfer. Notgedrungen bilden Captain Blocker, sein dezimierter Trupp und die Indianerfamilie eine Zweckgemeinschaft. Indianer, Pelzjäger setzen ihnen zu. Am Ende können auch vermessene, arrogante Rancher ihnen den Zugang ins «Tal der Bären» nicht verweigern.

Scott Cooper, der bereits im Thriller «Auge um Auge» («Out oft he Furnace», 2013) mit Christian Bale zusammengearbeitet hatte, schuf mit «Hostiles» (Feinde) einen epischen Spätwestern. Im unerbittlichen Captain Blocker (überzeugend bis zum letzten Blick: Bale) und im stoischen Häuptling Yellow Hawk (der bald 70-jährige Wes Studi spielte bereits im Westernklassiker «Der mit dem Wolf tanzt» mit) spiegelt sich die amerikanische Geschichte wieder – von Gewalt und Eroberung, Landnahme und Vertreibung, Rassismus und Versöhnung. Sie waren Todfeinde. Doch nun sind die Indianer besiegt, gefangen, erniedrigt, Beide, der weisse «Staatsdiener» und der enteignete Rote Mann, werden notgedrungen zu Partnern – und gewinnen gegenseitig Respekt. Am Ende kehrt der Officer dem «Wilden Westen» den Rücken, legt quasi die Waffen nieder. Ein schönes Bild – leider ein falsches, das nicht in Erfüllung gegangen ist in Amerika. Der fesselnde Western, differenziert und modern, taucht tief in die Problematik ein und liefert dazu grandiose Bilder (Kamera: Masanobu Takayanagi), gedreht in New Mexico, Arizona und Colorado.



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USA 2017
134 Minuten

Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Scott Cooper, Donald Stewart
Kamera: Masanobu Takayanagi

Darsteller: Christian Bale, Adam Beach, Rosamund Pike, Wes Studi


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